Katjes · Emmerich am RheinFesto · Esslingen am NeckarTrigema · BurladingenViessmann · Allendorf (Eder)Miele · GüterslohTrumpf · DitzingenHeute: 40,5 % Kredithürde
Dossier · Finanzierung

Erzeugerpreise Landwirtschaft: Juli 2026 minus 13,7 Prozent

Die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte lagen im Juli 2026 um 13,7 % unter Juli 2025, so das Statistische Bundesamt in seiner Mitteilung vom 11. September 2026. Gegenüber Juni 2026 stiegen sie um 0,5 %.

Matthias Brede7 Min. Lesezeit

Erzeugerpreise Landwirtschaft: Juli 2026 minus 13,7 Prozent
Symbolbild: Mittelstandsreporter (KI-generiert)

Stand: 18. September 2026 · Living Doc, wird bei neuen Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes aktualisiert.

Die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte lagen im Juli 2026 um 13,7 % unter dem Niveau von Juli 2025. Das meldete das Statistische Bundesamt (Destatis) in seiner Pressemitteilung vom 11. September 2026. Gegenüber Juni 2026 stiegen die Preise im selben Monat um 0,5 %.

Der zweistellige Rückgang im Jahresvergleich hält an. Im Mai und Juni 2026 lag er bei jeweils minus 13,9 %. Der Monatsvergleich zeigt in die andere Richtung. Beide Zahlen stammen aus derselben Mitteilung und messen Unterschiedliches.

Dieses Dossier ordnet die vier belegten Werte ein, benennt, was die Mitteilung nicht hergibt, und beschreibt, wofür der Index in einem Betrieb taugt. Alle Zahlen im Text stammen aus der Mitteilung PD26_323_61211 vom 11. September 2026.

1. Was der Erzeugerpreisindex landwirtschaftlicher Produkte misst

Der Erzeugerpreisindex landwirtschaftlicher Produkte bildet die Preise ab, die landwirtschaftliche Betriebe für ihre verkauften Erzeugnisse erhalten. Er ist ein Preisindex auf der ersten Absatzstufe, nicht im Handel und nicht beim Verbraucher. Herausgeber ist das Statistische Bundesamt.

Die Abgrenzung ist für die Einordnung entscheidend. Zwischen dem Hoftor und der Ladentheke liegen Verarbeitung, Handel und Logistik mit eigenen Kosten und eigenen Margen. Ein Rückgang auf der Erzeugerstufe muss nicht im Supermarktregal ankommen, und ein Anstieg im Regal muss nicht beim Erzeuger begonnen haben.

Die Veröffentlichung erfolgt als Pressemitteilung in der Reihe zu den Erzeugerpreisen landwirtschaftlicher Produkte. Die hier ausgewertete Mitteilung trägt das Datum 11. September 2026 und die Kennung PD26_323_61211. Sie ist auf destatis.de kostenfrei abrufbar.

Der Rhythmus ist monatlich, der Berichtsmonat liegt vor dem Veröffentlichungsdatum. Für den Juli 2026 lag die Meldung am 11. September 2026 vor, also mit rund zwei Monaten Abstand zum Berichtsmonat. Wer den Index in die Planung einbaut, rechnet diesen Abstand ein und behandelt die jüngste Zahl nicht als Momentaufnahme des Tagesgeschäfts.

Wie der Warenkorb zusammengesetzt ist, welche Produktgruppen mit welchem Gewicht eingehen und welches Basisjahr der Index verwendet, geht aus den hier vorliegenden Angaben nicht hervor. Wer mit dem Index arbeitet, sollte diese Details in der Methodenbeschreibung des Amtes nachlesen.

Merkmal Angabe
Statistik Erzeugerpreisindex landwirtschaftlicher Produkte
Herausgeber Statistisches Bundesamt
Mitteilung PD26_323_61211 vom 11.09.2026
Berichtsmonat Juli 2026
Veränderung zum Vorjahresmonat -13,7 %
Veränderung zum Vormonat +0,5 %
Zugang kostenfrei über destatis.de

2. Die aktuellen Zahlen: Juli 2026

Im Juli 2026 waren die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte um 13,7 % niedriger als im Juli 2025. Das ist der Vorjahresvergleich, er misst die Veränderung über zwölf Monate. Er sagt nichts darüber, wie sich die Preise innerhalb der vergangenen Wochen bewegt haben.

Dafür steht die zweite Zahl. Gegenüber Juni 2026 stiegen die Erzeugerpreise im Juli 2026 um 0,5 %. Ein Betrieb, der im Juli abrechnete, bekam etwas mehr als im Juni und deutlich weniger als im Vorjahr.

Diese Doppelung ist kein Widerspruch, sondern eine Frage des Bezugspunkts. Wer nur die Jahresrate zitiert, beschreibt das Niveau. Wer nur die Monatsrate zitiert, beschreibt die Richtung der jüngsten Bewegung.

In der Praxis wird meist die falsche der beiden Zahlen verwendet. Banken und Abnehmer argumentieren mit der Jahresrate, weil sie größer ist, Betriebe argumentieren mit der Monatsrate, wenn sie günstiger aussieht. Belastbar ist nur, wer beide nennt und den Bezugsmonat dazu.

Vergleich Zeitraum Wert
Vorjahresvergleich Juli 2026 zu Juli 2025 -13,7 %
Vormonatsvergleich Juli 2026 zu Juni 2026 +0,5 %

3. Entwicklung in den Vormonaten

Für Juni 2026 weist das Statistische Bundesamt eine Veränderungsrate gegenüber dem Vorjahresmonat von -13,9 % aus. Für Mai 2026 lautet der Wert ebenfalls -13,9 %. Beide Angaben stehen in derselben Mitteilung vom 11. September 2026.

Drei aufeinanderfolgende Monate mit einem Rückgang im zweistelligen Bereich. Die Jahresrate hat sich von -13,9 % im Mai und Juni auf -13,7 % im Juli leicht abgeschwächt. Das ist eine Bewegung um 0,2 Prozentpunkte und trägt kein Trendargument.

Monat 2026 Veränderung zum Vorjahresmonat
Mai -13,9 %
Juni -13,9 %
Juli -13,7 %

Bemerkenswert ist die Stabilität der Rate über drei Monate. Wenn der Abstand zum Vorjahr gleich bleibt, hat sich das Preisniveau relativ zum Vorjahresverlauf kaum verschoben. Das macht die Zahl für eine Planung über mehrere Monate brauchbarer als einen einzelnen Ausschlag.

Wie sich die Erzeugerpreise in den Monaten vor Mai 2026 entwickelt haben, geht aus den hier vorliegenden Angaben nicht hervor. Wer den Verlauf über ein volles Jahr braucht, muss die älteren Mitteilungen oder die Datenbank des Amtes heranziehen.

4. Was die Zahlen nicht sagen

Die Mitteilung liefert eine Gesamtrate. Welche Produktgruppen den Rückgang tragen, also Getreide, Milch, Fleisch oder Gemüse, ist aus den hier vorliegenden Angaben nicht ersichtlich. Für einen Milchviehbetrieb ist die Gesamtrate nur ein Ausgangspunkt, keine Antwort.

Auch die Trennung zwischen pflanzlichen und tierischen Erzeugnissen fehlt in den vorliegenden Angaben. Diese Unterscheidung entscheidet in der Praxis darüber, ob ein Betrieb den Rückgang überhaupt spürt. Ackerbau und Veredelung reagieren auf unterschiedliche Märkte.

Ursachen nennen die hier vorliegenden Angaben nicht. Ob Erntemengen, Importpreise, Nachfrage oder ein hohes Vorjahresniveau die Rate erklären, bleibt offen. Der Vorjahresvergleich misst immer zwei Zahlen, und die zweite liegt zwölf Monate zurück.

Regionale Unterschiede sind ebenfalls nicht belegt. Der Index ist eine Bundesangabe. Wie sich die Preise in einzelnen Bundesländern oder Anbauregionen entwickelt haben, sagt die Mitteilung nicht.

Und der wichtigste Punkt für die Betriebsrechnung fehlt komplett: Der Index misst Erlöse, nicht Kosten. Was ein Rückgang von 13,7 % für das Betriebsergebnis bedeutet, hängt davon ab, wie sich Futter, Energie, Dünger, Pacht und Löhne im selben Zeitraum entwickelt haben. Dazu enthalten die hier vorliegenden Angaben nichts.

Offene Frage Status in der Mitteilung
Beitrag einzelner Produktgruppen nicht belegt
Pflanzliche gegenüber tierischen Erzeugnissen nicht belegt
Ursachen des Rückgangs nicht belegt
Verlauf vor Mai 2026 nicht belegt
Regionale Unterschiede nicht belegt
Wirkung auf Betriebsergebnisse nicht belegt

5. Wie Betriebe mit dem Index arbeiten

Der Index ist eine amtliche, monatlich fortgeschriebene und kostenfreie Zeitreihe. Das macht ihn zu einer Referenz, die in Verhandlungen und in der Bank unstrittig ist. Anders als Marktberichte von Abnehmern hat er keinen Absender mit Interesse am Ergebnis.

Sinnvoll ist er dort, wo es um Niveaus und Vergleiche geht, etwa in der Begründung einer Liquiditätsplanung oder beim Nachweis, dass ein Erlösrückgang nicht betriebsindividuell ist. Ungeeignet ist er als Prognose. Er beschreibt, was abgerechnet wurde, nicht, was kommt.

Wer Verträge an Indizes koppelt, braucht die Produktgruppenreihe, nicht die Gesamtrate. Die Gesamtrate von -13,7 % im Juli 2026 gilt für den gesamten erfassten Korb landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Ein einzelner Betrieb produziert diesen Korb nicht.

Praktisch heißt das: Erst die eigene Erlösreihe aus der Buchhaltung, dann die amtliche Reihe daneben, dann die Differenz erklären. Weicht der eigene Betrieb deutlich von der amtlichen Rate ab, liegt die Ursache im eigenen Sortiment, in den Abschlüssen oder in den Lieferverträgen. Diese Differenz ist das Gespräch mit der Bank wert, nicht die Bundeszahl allein.

Für Betriebe mit anstehender Übergabe kommt ein zweiter Punkt hinzu. Erlösniveaus aus drei Jahren fließen in jede Bewertung ein, und ein Jahr mit zweistelligem Rückgang verschiebt den Durchschnitt. Wer 2026 als Basisjahr für einen Kaufpreis nutzt, sollte die Jahresraten aus den amtlichen Mitteilungen dokumentieren, damit beide Seiten über denselben Zeitraum sprechen.

Was das für Unternehmer heißt

Ein Erlösniveau, das drei Monate in Folge zweistellig unter dem Vorjahr liegt, gehört in die Liquiditätsplanung, nicht in den Jahresrückblick. Wer im Sommer 2026 mit den Kalkulationswerten von 2025 gerechnet hat, sollte die Prognose für das laufende Wirtschaftsjahr nachrechnen und den Kapitaldienst dagegenhalten. Für Abnehmer gilt die Zahl spiegelbildlich: Einkaufspreise auf Erzeugerstufe waren im Juli 2026 um 13,7 % niedriger als ein Jahr zuvor, das ist ein Argument in Verhandlungen und zugleich ein Risiko, wenn Lieferanten in die Schieflage geraten. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Jahres- und Monatsrate: Das Plus von 0,5 % gegenüber Juni 2026 rechtfertigt keine Entwarnung und begründet keine Vertragsanpassung. Und wer den Index als Grundlage für Preisgleitklauseln nutzen will, sollte die Reihe für die eigene Produktgruppe wählen, weil die Gesamtrate über den gesamten erfassten Korb mittelt.

Kurz gesagt

Die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte lagen im Juli 2026 um 13,7 % unter dem Vorjahr. Die Gesamtrate ersetzt keine Rechnung für den eigenen Betrieb.

Änderungsprotokoll

  • 18.09.2026: Erstfassung auf Basis der Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 11. September 2026.

Quellen

Weitere amtliche Preisreihen in unserer Berichterstattung: Großhandelspreise im August 2026: plus 6,8 Prozent und Destatis: Handwerksumsatz sinkt im Q2 2026 real um 1,4 Prozent.

Dieser Beitrag ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung.